Was ist soziale Marktwirtschaft?

Der Artikel erschien zuerst bei Le Bohémien

Zum Start unseres neuen Schwerpunktthemas ‚Wirtschaft&Demokratie‘ veröffentlichen wir an dieser Stelle einen immer noch aktuellen Artikel aus dem Jahr 2012. Ausgehend von einem damals laufenden Essay-Wettbewerb der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ stellt sich der Autor Sebastian Müller die grundsätzliche Frage, was soziale Marktwirtschaft früher einmal bedeutet hat und beschreibt, was sie aus seiner Sicht heute bedeuten müsste.

Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf eine derzeit laufende Kampagne des neoliberalen Think-Tanks „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die unter dem Deckmantel eines mit 5000 Euro Preisgeld dotierten Essay Wettbewerbes läuft. Dabei geht es um eine Definition des Begriffes „Soziale Marktwirtschaft“. Den Vorsitz der Jury hat kein geringerer als das INSM-Mitglied und der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer.

Angesichts des einschlägigen Hintergrundes der dubiosen Lobbygruppe INSM ist es abzusehen, in welche Richtung dieser Wettbewerb zielen soll und welche Beiträge die besten Aussichten auf die ersten Preise haben werden. Sozusagen als Gegenpamphlet im Rahmen einer symbolischen Teilnahme stellt der Autor der neoliberalen Verklärung und Vereinnahmung der Sozialen Marktwirtschaft seitens des INSM eine eigene, kritische Definition entgegen.

Von Sebastian Müller

Was ist Soziale Marktwirtschaft? Definiert man den Begriff historisch, ist die „Soziale Marktwirtschaft“ in ihrem Ursprung eine Wirtschaftskonzeption der Ökonomen Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard, dem dieser Begriff gemeinhin zugeordnet wird. Der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“, sprich Wettbewerb innerhalb eines staatlichen Ordnungsrahmens, entwickelte sich zur zentralen Integrationsideologie und zur sozioökonomischen Legitimation der Bundesrepublik der Nachkriegszeit.

Dies gelang, weil diesem ursprünglich ordoliberalen Wirtschaftskonzept keine dogmatische Interpretation und Umsetzung im wirtschaftswissenschaftlichen Sinne zugrunde lag, und weil das Wettbewerbsprinzip dem Ziel „Wohlstand für Alle“ und somit auch sozialer Verantwortung verpflichtet war. Die Erfolgsgeschichte der jungen Bundesrepublik ist somit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale gewesen. Nur so konnte die Soziale Marktwirtschaft ihren Namen überhaupt gerecht werden. „Was ist soziale Marktwirtschaft?“ weiterlesen

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