Nicht für bare Münze

Die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds hat einen guten Grund – und ist trotzdem die falsche Lösung

Von Leopold Wonneberger

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Schon länger fordern namhafte US-Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Larry Summers die Abschaffung des Bargeldes. Nun also auch Peter Bofinger, einer der sogenannten Wirtschaftsweisen, also eine gewichtige Stimme in Deutschland. Aber was ist denn los mit dem Bargeld? Warum kommt diese Diskussion überhaupt hoch?

Die wesentliche Begründung, neben der Bekämpfung der Kriminalität, ist die immer schwierigere Lage der Geldpolitik. Die Zentralbanken stoßen angesichts lahmender Konjunkturen und deflationärer Tendenzen zunehmend an die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten. Das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die Aufblähung der Zentralbankgeldmenge, hat nicht wie erhofft zu verstärkter Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt, sondern lediglich die Finanzmärkte angeheizt. Den Zentralbanken gehen die Instrumente aus. „Nicht für bare Münze“ weiterlesen

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Geld ist unsere Religion

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag

Und am Geld klebt Blut. Christoph Türcke erklärt den sakralen Ursprung des Geldes aus dem Opferkultus und zieht Parallelen bis in die Gegenwart. Eine demokratiegeschichtliche Lektüre

In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr
In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr

Was ist Geld? Für diese Frage braucht die Ökonomie anscheinend von Zeit zu Zeit Philosophen. Nun hat Christoph Türcke sich an einer Antwort versucht. Dabei hat er mit Mehr! vielleicht nicht wirklich eine Philosophie des Geldes vorgelegt, wie der Untertitel es vorgibt, sondern eher eine psychologisch-philosophische Kultur- und Sozialgeschichte des Geldes. Ein grandioses Buch ist es allemal geworden. Wie schon für David Graeber entsteht auch für Türcke Geld nicht aus dem Tausch, sondern aus Schulden. Nur verfolgt er diese nun noch weiter zurück, und zwar zu den ersten menschlichen Opferhandlungen. Seine These: Geld ist Schuld, die im Opfervorgang entsteht. Es entstammt also dem sakralen Bereich. Dies wird zunächst etymologisch hergeleitet: Das Wort „Geld“ habe nichts mit „Gold“ zu tun, sondern stamme vom angelsächsischen gilt, das im Englischen guilt ja auch heute noch Schuld bedeutet. Dass diese Schuld aber eine ursprünglich sakrale ist, versucht Türcke sodann im Rückgang in die Altsteinzeit sozusagen spekulativ zu belegen.

Die ersten Opferhandlungen erklärt er „Geld ist unsere Religion“ weiterlesen