Nicht für bare Münze

Die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds hat einen guten Grund – und ist trotzdem die falsche Lösung

Von Leopold Wonneberger

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Schon länger fordern namhafte US-Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Larry Summers die Abschaffung des Bargeldes. Nun also auch Peter Bofinger, einer der sogenannten Wirtschaftsweisen, also eine gewichtige Stimme in Deutschland. Aber was ist denn los mit dem Bargeld? Warum kommt diese Diskussion überhaupt hoch?

Die wesentliche Begründung, neben der Bekämpfung der Kriminalität, ist die immer schwierigere Lage der Geldpolitik. Die Zentralbanken stoßen angesichts lahmender Konjunkturen und deflationärer Tendenzen zunehmend an die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten. Das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die Aufblähung der Zentralbankgeldmenge, hat nicht wie erhofft zu verstärkter Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt, sondern lediglich die Finanzmärkte angeheizt. Den Zentralbanken gehen die Instrumente aus.

Zwar liegt schon lange – zumindest theoretisch – ein weiteres Instrument im Werkzeugkoffer der Zentralbanken. Die Umlaufsicherung des Geldes durch eine Geldhaltegebühr, auch Liquiditätssteuer oder Negativzins genannt, ist eine alte Idee von Silvio Gesell, die natürlich auch den Zentralbankern bekannt ist. Grundidee ist die Belastung von liquiden Mitteln durch eine (geringe) Gebühr, um die Geldzurückhaltung unattraktiver zu machen und Kredite auch bei sehr niedrigen Zinsen zu ermöglichen, also der Liquiditätsfalle zu entgehen.

Beim Giralgeld ist das technisch leicht umsetzbar, beim Bargeld aber nicht. Also liegt dessen Abschaffung nahe, zumal es heutzutage ja elektronische Alternativen gibt. „Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus“, findet Bofinger, und plädiert damit für einen Systembruch mit vielleicht sehr weitreichenden Folgen!
Mehrere Argumente sprechen gegen diesen radikalen Schritt. Die Abschaffung des Bargeldes würde Kriminalität nicht verhindern, wird Bezahlen nicht wirklich einfacher machen und wird auch nicht für höhere Sicherheit sorgen. Dafür würden aber Zahlungen im privaten Bereich wie das Taschengeld für die Kinder oder das Bummeln auf dem Flohmarkt sehr erschwert. Vor allem aber würde anonymes Bezahlen gänzlich unmöglich gemacht!

„Geld ist geprägte Freiheit“, wie es so schön heißt. Nur mit Bargeld kann der Bürger unbeobachtbar vom Staat und den Konzernen seine Kaufentscheidungen treffen. Was die freie anonyme „Stimmabgabe“ bei der politischen Wahl ist, das ist die freie anonyme  „Geldabgabe“ bei der wirtschaftlichen Wahl. Unsere Demokratie ist ohnehin schon gefährdet durch immer weitere Überwachung. Wir sollten aufpassen, dass die Freiheit nicht noch weiter eingeschränkt wird, gerade auf einem so wichtigen Gebiet wie dem Geld!

Nebenbei bemerkt würde die Abschaffung des Bargeldes v.a. auch den Banken in die Hände spielen, die schon heute den Großteil des Geldes als Giralgeld schöpfen und sich damit immer unabhängiger von der Zentralbank machen. Bargeld ist aus deren Sicht nur kostenintensiv und einschränkend. Wer das Bargeld, also das einzige gesetzliche Zahlungsmittel abschaffen will, sollte also zumindest darüber nachdenken, ob das Giralgeld der Banken spätestens dann nicht zu Vollgeld werden sollte.

Es ist sehr begrüßenswert, dass über alternative Instrumente der Geldpolitik nachgedacht wird. Aber die Lösung muss intelligenter sein. Warum sollte auf heutigem technologischem Niveau kein umlaufgesichertes Bargeld möglich sein? Wir können doch sonst so ziemlich alles! Bargeld ist eine altbewährte Einrichtung und als bürgerliche Freiheit gegen Staat, Banken und Konzerne zu verteidigen! Nicht zuletzt deshalb setzen auch viele Regionalwährungen wie z.B. die Spreeblüte ganz bewusst auf Bargeld.

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