Die Krise als postkoitale Depression

Der Ökonom Tomáš Sedláček unterzieht seine Disziplin einer Psychoanalyse und will so den Kapitalismus vom Wachstumswahn heilen. In Berlin hat er sein Buch vorgestellt

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

Sex und Selbsterkenntnis - Wandversion von John Colliers
Sex und Selbsterkenntnis: Street Art mit John Colliers „Lilith“ (1892) – Foto: Salvatore Vastano/Flickr

Vergangene Woche hat er in Berlin sein neues Buch Lilith und die Dämonen des Kapitals vorgestellt „Die Krise als postkoitale Depression“ weiterlesen

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Vom Ende des Kapitalismus zum Postkapitalismus

Neue Bücher von Slavoj Žižek und Paul Mason ergründen Ende und Neuanfang unserer gesellschaftlichen Ordnung – und stellen die Frage, wie überhaupt Veränderung möglich ist

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag und bei Le Bohémien

Total vernetzt?
Total vernetzt? – Bild: yumikrum/Flickr (CC)

Angesichts der globalen Dauerkrisen der neoliberalen Wirtschaftsordnung spätestens seit 2007/08 stellt sich zunehmend wieder die zugegeben recht alte Frage, ob es ausreicht, das kapitalistische System nur zu reparieren – wenn auch anders als es durch sogenannte „Strukturreformen“ angeblich allenthalben versucht wird –, oder ob eine radikalere Lösung, sprich ein anderes, besseres System notwendig ist. Kurz: Reform oder Revolution? Einer, der schon immer für die zweite Variante plädiert hat, ist der slowenische Philosoph Slavoj Žižek. Auch sein Buch Trouble in Paradise. From the End of History to the End of Capitalism, das Ende Oktober auf Deutsch erscheint, nimmt die Perspektive einer radikalen Emanzipation vom Kapitalismus ein. Dabei aber liefert es zunächst einmal konzise, widerspruchsgesättigte Analysen der gegenwärtigen Lage, und zwar mithilfe des für Žižek bekannten Instrumentariums: Hegel, Marx, Nietzsche, Lacan, eine gute Ladung Popkultur und jede Menge politisch inkorrekte „dialektische“ Witze. „Vom Ende des Kapitalismus zum Postkapitalismus“ weiterlesen

Wirtschaftswissenschaft für Anfänger

Das Buch Time for Change des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis hat einen pädagogischen Ansatz und gute Intentionen. Manches daran bleibt jedoch fraglich

Von Lea Fauth

Die Ökonomie wurde - wie Europa - in Griechenland erfunden. - Bild: BITLAKE/Pixabay (CC)
Die Ökonomie wurde, wie Europa, in Griechenland erfunden. – Bild: BITLAKE/Pixabay (CC)

Erstaunlich genug, wenn man das Buch überhaupt erst in die Hand genommen hat: Mit charmantem Lächeln, lässig die eine Hand in der Hosentasche, glänzt Yanis Varoufakis mit der Sonne im Gesicht auf dem Buchdeckel der deutschen Ausgabe seiner schon etwas älteren Veröffentlichung Time for change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre. Dahinter eine rissige Betonwand. Ein Rapper? Ein Filmstar? Das Buch wirkt wie ein People-Magazin, das im Wirtschaftsressort eigentlich nichts verloren hat.

Ein ziemlich billiges Vorgehen des Hanser Verlags, der die deutsche Übersetzung herausgebracht hat: Die Berühmtheit des ehemaligen griechischen Finanzministers soll nach bester Boulevard-Manier zunutze gemacht werden, um ordentlich auf die Kasse zu schlagen. Über Monate hatte sich das in den deutschen Medien ja auch nur allzu gut verkauft: Der lässige Motorradfahrer mit der Lederjacke, dieses viel zu coole Auftreten standen im Rampenlicht – politische Inhalte verblassten daneben. Und auch hier wird der programmatische und sehr politische Titel „Time for change“ durch die Umschlaggestaltung völlig entfremdet. So wird einmal mehr die Chance verpasst, entgegen dem Medienrummel Yanis Varoufakis als das ernst zu nehmen, was er eigentlich ist – nämlich als Wirtschaftswissenschaftler. „Wirtschaftswissenschaft für Anfänger“ weiterlesen