Mit Rechten reden? Differenzieren, bitte!

Die Debatte über die Eskalation auf der Buchmesse ist eskaliert, die Zeit des Redens sei vorbei. Dabei ist das ein antidemokratischer Widerspruch. Zeit zu differenzieren

Dieser Text erscheint auch beim Freitag.

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Bild: cheskapoon/Pixabay (CC0)
Seit den verbalen und tätlichen Übergriffen und der Eskalation um eine von linken Demonstranten gestörte Veranstaltung des rechten Antaios-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse hat sich eine sehr breite Diskussion darüber entwickelt, die man gut auf den Titel eines vielbeachtet auf der Messe erschienenen Buchs bringen kann: “Mit Rechten reden”. Das Spektrum in dieser Debatte reicht naturgemäß von “Mit Rechten muss man reden (jetzt erst recht)” bis “Mit Rechten darf/kann/soll man nicht reden (und jetzt erst recht nicht mehr)”.

Den vorläufigen Höhe- und Tiefpunkt hat vielleicht am Sonntag in ihrer Kolumne bei Spiegel Online Sibylle Berg erreicht. Sie entlarvt zwar nicht ganz unzutreffend die hohle Phrase eines linken “sich positionieren Müssens” und die widerliche Eklatanz in den unterschiedlichen Reaktionen auf “rechte” und “linke” Straftaten seitens der Behörden. Und doch ist ihr fatalistisches Resümee, “die Zeit des Redens ist vorbei”, und ihre letzte Hoffnung auf den linken “Schwarzen Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen”, herablassend, viel zu einseitig und offensichtlich falsch. Hier sollte dringend differenziert werden – wohlgemerkt aber ohne irgendetwas zu relativieren.

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Mit|diskutieren

Lust, diesen Herbst mit uns über die Zukunft der Demokratie zu reden?! Dazu gibt es gute Gelegenheiten in Berlin, Düsseldorf und Dresden:

Diskussion „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“, Filmvorführung mit Podium
25. Oktober 2017, ab 18:30 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin
Für das d|d diskutiert: Andreas Schiel
Link zur Veranstaltungsseite

Diskussion Alternatives in Progress? Degrowth & #Acceleration
27. Oktober 2017, ab 16:00 Uhr im Zentrallabor, Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung, Sophienstraße 22a, Berlin. Podiumsdiskussion ab 18:00 Uhr (auf Englisch)
Für das d|d diskutiert: Tom Wohlfarth
Link zur Facebook-Veranstaltung

Impuls Die Sehnsucht nach Resonanz und die Privatisierung der Politik
23. bzw. 24. November 2017 beim NRW-Dialogforum 2017 des FGW, Düsseldorf
Impulsgeber: Tom Wohlfarth und Andreas Schiel

Vortrag In Zukunft besser mit Gefühl?! Die Emotionalisierung unserer Demokratie als Herausforderung und Chance
28. November 2017, 19:00 Uhr im Stadtmuseum Dresden
Vortrag: Andreas Schiel
Link zum Flyer der Veranstaltungsreihe

It’s the system, stupid!

Auch nach dieser Bundestagswahl wird es nicht reichen, demokratisch selbstgefällig die AfD zu missbilligen. Wir  brauchen vielmehr einen grundlegenden Wandel unseres politisch-ökonomischen Systems  und eine zweite Aufklärung

Von Philipp von Becker

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Wir brauchen mehr als nur die Wahl, wir brauchen Wandel – Foto: Pixel2013/Pixabay (CC0)