Wir sind ein Gespräch

Mit-, durch- und gegeneinander schreiben: Armen Avanessian und Anke Hennig führen in ihren neuen Büchern einen nachdenklichen Trialog

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Mehrdimensionale Dialogform und Rollentausch: Anke Hennig (l.) und Armen Avanessian – Bild: Janine Kress

„Viel hat von Morgen an, seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander, erfahren der Mensch“, heißt es in Friedrich Hölderlins Hymne „Friedensfeier“. Und sehr vieles ist bereits über diese unerhörte Formulierung geschrieben worden, dass der Mensch hier nicht nur ein Gespräch führt, in dem er von anderen dieses oder jenes erführe. Nein, wir Menschen sind ein Gespräch, in dem wir mit- und durcheinander letztlich wohl vor allem uns selbst erfahren – wer oder was auch immer das sei.

So ähnlich – oder vielleicht auch ganz anders – mögen die Berliner Literaturwissenschaftlerin Anke Hennig und der Philosoph Armen Avanessian gedacht haben, als sie es vor bald zehn Jahren unternahmen, in einem schreibenden Gespräch eine „spekulative Poetik“ zu entwickeln. Und tatsächlich scheint dieser Titel auch aus Hölderlins Zeit der Frühromantik stammen zu können, ging es doch damals nicht zuletzt darum, mit „Spekulation“ und „Poesie“ die von Immanuel Kant gerade gezogenen „Grenzen der bloßen Vernunft“ zu überwinden. „Wir sind ein Gespräch“ weiterlesen