Ein Bild der Demokratie der Zukunft

Wie wäre es, wenn wir die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen? Ein Versuch

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Ob in Konflikt oder Konsens, in der Demokratie der Zukunft werden wir alle auf einer gemeinsamen Ebene unterwegs sein – Bild: Earth Day Shabbat/rac.org

Dieser Artikel ist die späte Antwort auf einen Text, den Andreas Schiel vor nun schon einigen Jahren hier bei demokratiEvolution verfasst hat. Er forderte dort mit dem  anthroposophischen Bankier Wilhelm Ernst Barkhoff dazu auf, „’die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten‘, zumindest für einen Tag zu ‚überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen.’“ – Ich bin gespannt, ob das Folgende diesem Anspruch gerecht wird. „Ein Bild der Demokratie der Zukunft“ weiterlesen

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Die selbstbewusste Demokratie

Demokratie ist keine rein rationale Angelegenheit, sie lebt vom emotionalen Erleben ihrer Akteure, der Bürger. Die Demokratie muss also viel stärker in unserem Alltag integriert sein, um uns zu selbstbewussten Demokraten machen zu können

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Ein frühes Beispiel für selbstbewusste Demokratie: Perikles‘ Gefallenenrede – Bild: Philipp Foltz/Wikimedia

Was kann eine demokratische Gemeinschaft von Menschen tun, damit sie eine selbstbewusste demokratische Gemeinschaft wird und bleibt? Es geht bei dieser Frage wohl darum, ob „Demokratie“ von jenen „Bürgern“ tatsächlich als ein Gut erlebt und empfunden wird. Denn Churchills Schwundformel: „No one pretends that democracy is perfect or all-wise. Indeed, it has been said that democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time“ ist wohl kaum für oder von Bürgern geprägt, die „ihre“ Demokratie als ein hohes Gut empfinden, das sie zu schätzen wissen.

Wer einen „emotionalen“ Vergleich in Sachen demokratischem Selbstbewusstsein erleben will, der sei auf die berühmte Perikles-Rede bei Thukydides hingewiesen. Oder auf Äußerungen von Teilnehmern an „Citizen Assemblies“, die noch ganz unmittelbar von dem geflasht sind, was sie da gerade mit ihren Mitbürgern erlebt haben. Es macht also für uns als Menschen, die es schätzen, in einer Demokratie zu leben, einen nicht ganz kleinen Unterschied, ob wir unsere Demokratie auch als ein Gut für uns erleben können, oder ob wir es uns denken müssen, dass die Dinge doch eigentlich gar nicht so schlecht sind. Zumindest im Vergleich zu den katastrophalen Alternativen.

Für unser demokratisches Selbstbewusstsein ist also unser unmittelbares Erleben entscheidend. „Die selbstbewusste Demokratie“ weiterlesen

Politische Kultur

Aus Angst vor totalitären Regimen ist der naive Liberalismus unpolitisch geworden. Er wird aber genau deswegen weiter Totalitarismus erzeugen. Deshalb brauchen wir als Gesellschaft eine sehr viel politischere Kultur, als wir sie bisher haben

Von Ardalan Alexander Ibrahim

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Wir brauchen mehr als nur Zuschauerdemokratie  Foto: © European Union 2014 – European Parliament/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Wir können politische und nicht-politische Kulturen oder Gesellschaften anhand von folgendem Merkmal unterscheiden: In politischen Kulturen ist die Zughörigkeit zur „Polis“, zum politischen Gemeinwesen, für uns Menschen der wichtigste Aspekt unserer individuellen Identität. In nicht-politischen Kulturen ist es irgendetwas anderes, ein willkürlicher Aspekt aus unserem „Privatleben“, der für unsere Identität besondere Bedeutung hat, möglicherweise auch mehrere, so dass eine „Identität ohne Zentrum“ (Richard Rorty) möglich wird: Arbeit, Familie, Hobbys, Essensgeschmack, Musikgeschmack, sportliche Aktivitäten, Themen, die man interessant findet etc.

Ich bin mir sicher, dass die allermeisten heutigen Menschen, wenn sie von dieser Unterscheidung hören, spontan letztere Kultur bevorzugen. Sie scheint „toleranter“, „liberaler“, menschenfreundlicher usw. Doch zumindest letzte Zuschreibung könnte auch ein Irrtum sein. Ein historisch bedingter Irrtum. Denn der Grund, aus dem sich unsere Gesellschaft darauf verlegt hat, das Privatleben so überaus zu schätzen, sind ganz offensichtlich die totalitären Experimente des 20. Jahrhunderts: Faschismus und Kommunismus. „Politische Kultur“ weiterlesen

Der Losentscheid als Belebung der Demokratie

Die Parlamente mit ausgelosten BürgerInnen zu besetzen, hätte viele Vorteile. Und auch für das dann drohende Problem einer Herrschaft des Beamtenapparats könnten wir Lösungen finden

von Ardalan Alexander Ibrahim

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Aleatorische Demokratie: Einfach mal würfeln…

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin nach 41 Jahren Leben in einer elektoralen Demokratie nur noch genervt von Parteien, ihren Wahlversprechen, ihrem realen Verhalten nach der Wahl und von den Diskussionen, die sich darum herum ranken. Und sogar unsere ausgesprochen gut kultivierte Politikerschelte nervt mich genauso wie das erwartbare Verhalten der Berufs-Politker selbst. Trotz eines recht ausführlichen Studiums der Politischen Philosophie ist mir persönlich aber sehr lange entgangen, dass es zu all dem: zu Parteibildung und zu Wahlen, sowie zu sinnlosen moralischen Debatten eine naheliegende Alternative gibt, die bereits über Jahrhunderte erprobt war, bevor sich dann wieder mal die Feigheit vor dem Volk durchgesetzt hat: sowohl während der Französischen Revolution, als auch bei der Herausbildung der Demokratie amerikanischen Typs.

Die Rede ist vom Losentscheid als Verfahren zur Besetzung politischer Ämter. Also von einem Verfahren, dass die „Selbstbeherrschung der Menschen durch die Menschen“ aka Demokratie sehr viel unmittelbarer gestaltet, als das in einer elektoral-repräsentativen Demokratie der Fall ist. Also in einer Form von Demokratie, die wir nur deswegen für state of the art halten, weil wir uns mittlerweile an sie gewöhnt haben. „Der Losentscheid als Belebung der Demokratie“ weiterlesen