Gefährlicher Stillstand

Manche Dinge müssen sich ändern, um Bestand zu haben. Das gilt auch für Demokratie und Politik, wo Stau und Stillstand zur Gefahr werden können. Ein Plädoyer für den Bürger:innenrat als eine Form fließender Veränderung

Von Jonas Kunz

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So ein Stau kann schnell gefährlich werden, besser auf der anderen Spur mal ins Gespräch kommen! – Bild: SD-Pictures/Pixabay (CC0)

Wann ist es Zeit für einen Bürger:innenrat? Zu dieser Frage hat sich Rosalyn Fuller Gedanken gemacht. Sie sagt: „Bildet sich eine gesellschaftliche Stasis, dann ist es Zeit für einen Bürgerrat.“ Den altgriechischen Begriff “Stasis”, auf den sich Fuller bezieht, benutzt Herodot als den Begriff für “Bürgerkrieg”, oder “Volksverhetzung”, aber auch um “Stillstand” und den “Zustand einer Person“ zu bezeichnen. Heute kennen wir “Stasis” mehr oder weniger als “Stase”: einen “Zeitraum ohne Veränderung”.

Stasis scheint spezifisch das Gegenteil dessen zu beschreiben, was als das Besondere des Flusses gilt. Nicht, dass alle Dinge sich verändern, sondern, dass manche Dinge sich verändern müssen, um gleich zu bleiben. Wird diese fließende Veränderung gestoppt, findet ein Stauung, eine Stasis, statt. In der Politik kann die Stauung “Bürgerkrieg”, “Volksverhetzung”, “Stillstand” bedeuten. Doch welche Prozesse stauen sich hier? „Gefährlicher Stillstand“ weiterlesen

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Reviving Democracy

Citizen’s Assemblies as a tool to fix representation: Western Democracy is undergoing a crisis of faith. How can we try to solve it?

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Join our discussion with partner BIRDS tonight, 17:30h at Bard College Berlin:
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Die neue Wirklichkeit

Utopien und Visionen hatten in den letzten Jahrzehnten ein schlechtes Image, daher hat sich fast niemand mehr getraut, welche zu entwickeln. Doch wir brauchen politische Utopien dringender denn je

Von Roland Rottenfußer 

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Manchmal bricht sich das Neue einfach Bahn – Bild: skeeze/Pixabay (CC0)

Mit dem Namen dieses Artikels, „Die neue Wirklichkeit“, beziehe ich mich zunächst auf ein schönes und aufrüttelndes Lied der beiden Liedermacher Konstantin Wecker und Pippo Pollina: „Questa nuova realtà“, also „Diese neue Wirklichkeit“. Das Lied spricht von menschlicher Solidarität und Lebensfreude im Angesicht einer Welt, die von einem kollektiven Wahn („follia“) ergriffen und von einer Rückkehr des Faschismus überschattet wird.

„Heute spricht mal keiner den Anderen schuldig. Heute lässt mal jeder den Anderen anders sein“, lautet eine von Weckers schönen deutschsprachigen Textpassagen. Der italienische Refrain von Pippo Pollina heißt übersetzt ungefähr: „Nehmen wir uns bei der Hand, wenn der Abend kommt. Es trägt uns weit, bis zu den Lichtern der Morgenröte. Lass uns alles mit dem Herzen tun. Lasst es seine eigene Sprache sprechen. Lasst sie herein, diese neue Wirklichkeit!“ „Die neue Wirklichkeit“ weiterlesen

Fußball als Kulturfrage

Sehr viele Menschen stehen dem internationalen Fußballverband FIFA kritisch gegenüber, dessen WM gucken sie trotzdem. Wie geht das zusammen?

Von Martin Michaelis

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80.000 passen rein, doppelt so viele wurden umgesiedelt: das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro während der WM 2014 in Brasilien – Wikimedia (CC BY 2.0)

Wenn wir eine andere Kultur wollen, fangen wir doch am besten gleich mit uns selbst an. Wenn nicht, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass die große Mehrheit der Menschen auf der Welt morgens mit guten Vorsätzen aufsteht, meint das Richtige zu tun, aber die Welt gefühlt trotzdem am Abgrund steht. 

Ich werde häufiger gefragt, wie wir eine neue, menschenfreundliche und der Welt dienliche Kultur in Organisationen und anderen, auch politischen Systemen unterstützen können, „da das doch relativ schwierig sei“.  Meine Gegenfrage lautet dann meist: Was tust du, und was nicht, um diese Kultur gerade zu unterstützen? Und was bist du bereit, für eine Veränderung zu opfern? In meinem Fall ist das gerade die laufende Fußballweltmeisterschaft in Russland, die ich vermeide, weil sie eine Kultur und ein System unterstützt, das der Welt, wie ich sie möchte, nicht dient.  

Ich will nicht falsch verstanden werden. Ich bin Fußballfan, ich habe jede Welt- und Europameisterschaft seit 1990 gesehen. Auch dieses Jahr würde ich gerne gucken, aber etwas hält mich zurück. Das ist die Frage, was ich dabei unterstütze, wenn ich „die (deutsche) Mannschaft“ und andere Länder und Begegnungen schaue. Und dann kommt die Frage: Möchte ich das unterstützen?! „Fußball als Kulturfrage“ weiterlesen

Bedingungen demokratischer Wirkmacht

Wie können wir lernen, uns politisch mehr zuzutrauen? Dafür braucht es ein breites Zusammenspiel von Bildungseinrichtungen, Zivilgesellschaft und individueller Selbstverpflichtung

Von Regina König

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Früh übt sich! Demokratie und Partizipation können und sollten schon in der Schule gelernt werden


Vor Kurzem
forderte an dieser Stelle Ardalan Ibrahim dazu auf, uns politisch „mehr zuzutrauen als auch mehr abzuverlangen“, da unser aller Beteiligung die „Daseinsbedingung“ der Demokratie darstelle. Als politisch interessierte, aber bisher eher wenig aktiv engagierte Person möchte ich im Folgenden der meines Erachtens nicht trivialen Frage nachgehen, wie wir lernen können, uns politisch „mehr zuzutrauen“. Dazu möchte ich einerseits auf uns als individuell Handelnde schauen und andererseits überlegen, welche sozialen und institutionellen Rahmenbedingungen dafür nötig sind. „Bedingungen demokratischer Wirkmacht“ weiterlesen

Die Zukunft der Demokratie II

Wir halten die Demokratie für selbstverständlich. Aber wissen wir überhaupt, was sie ist, oder gar, was sie sein kann? Um die Zukunft der Demokratie in den Blick zu kriegen, müssen wir auch ihre Vergangenheit verstehen

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Unser mit|denker Tom Wohlfarth wird morgen auf dem FUture Slam der Langen Nacht der Wissenschaften an der FU Berlin eine kurze Geschichte der Demokratie erzählen. Seid dabei!

https://www.langenachtderwissenschaften.de/

Die Angst vor der Freiheit

Wenn sich Organisationen wandeln, indem traditionelle Hierarchien aufgelöst werden, ist Angst eine der größten Blockaden. Wir wollen sie bei einer (Un-)Konferenz mit lösen helfen

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Unser mit|denker Andreas Schiel wird auf der (Un-)Konferenz „Neue Konzepte für neue Arbeit – Die Angst vor der Freiheit“ am 15. Juni in Berlin einen Workshop leiten unter dem Titel „Netzwerke des Vertrauens. Organisationen und Gesellschaft transformieren“. Die Tagung verbindet mit ihrem Thema die drei Blickwinkel von Wirtschaft, Politik und Kunst. Dazu wird es jeweils eine Keynote geben: von Jessica Wigant, Jason Brennan und Shelley Sacks. Das denkzentrum|demokratie unterstützt die (Un-)Konferenz als Partner.

Tickets gibt es auf https://priomy.events/