Redet miteinander. Jetzt!

Unsere Welt scheint immer unübersichtlicher und feindlicher zu werden. Unverständnis und Nichtakzeptanz spalten unsere Gesellschaften. Doch es gibt auch Hoffnung. Und einiges, das jeder von uns beitragen kann

Von Thomas Eisinger

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Miteinander reden – Foto: Pixabay/CC

Die unerwarteten und falsch vorhergesagten Ergebnisse bei Brexit und Trump sowie die allgemein als immer unsicherer empfundene Weltlage (Terror, Syrien, Flüchtlinge, Ukraine etc…) stellen viele Menschen vor die Frage: Wohin bewegen wir uns, was ist auf dieser Welt eigentlich los? Die Medien verlieren in nie gekanntem Ausmaß an Vertrauen und auch die Politiker können den Bürgern die Welt nicht mehr erklären geschweige denn glaubhafte Lösungen aufzeigen. Wie konnte es soweit kommen? Und wie kommen wir wieder dazu, miteinander zu reden und um Lösungen zu ringen, anstatt die jeweils andere Seite zu verleumden und zu diskreditieren? „Redet miteinander. Jetzt!“ weiterlesen

Demokratie und Globalisierung

Andreas Wirsching analysiert in seinem jüngsten Buch die Widersprüche in Europa seit 1989

Von Michael Hagel

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Europa von Osten aus betrachtet – Foto: Rogiro/Flickr (CC BY-NC 2.0)

Flüchtlingskrise, der Streit um angepasste Flüchtlingsquoten, der Syrienkrieg und Islamfeindlichkeit, Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien, die Eurokrise und der Austritt Großbritanniens aus der EU: Das derzeitige Europa befindet sich in einer schwierigen Phase.

Viele der gegenwärtigen Probleme Europas lassen sich besser verstehen, wenn man sie in eine historische Perspektive stellt. Dies versucht Andreas Wirsching, seines Zeichen Direktor am Institut für Zeitgeschichte München, in seinem jüngsten Buch Demokratie und Globalisierung. Europa seit 1989 im Kontext verschiedener Konflikte und Ereignisse des jüngeren Zeitgeschehens dem Leser verständlich zu erklären. „Demokratie und Globalisierung“ weiterlesen

Emotionen erlaubt

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Vorschläge zum Umgang mit der AfD und ihren Anhängern. Ein Plädoyer für eine gefühlssensible Kultur demokratischer Kommunikation

Von Tom Wohlfarth und Andreas Schiel

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Pegida-Demonstration in Amsterdam – Foto: Guido van Nispen/ Flickr (CC BY 2.0)

Dieser Text zweier unserer mit|denker erschien am vergangenen Samstag beim Katapult Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft, dann in aktualisierter Fassung am gestrigen Dienstag als Publikation des denkzentrum|demokratie sowie beim Freitag, wo er derzeit auch noch diskutiert wird. Eine weitere Diskussion findet sich auf Facebook, Benedikt Strohstädter etwa schreibt dort: „Sehr nüchtern, neutral und klar. So muss geschrieben werden damit die ganze Scheisse uns hier nicht um die Ohren fliegt. Kompliment!“

Denkzentrum|Demokratie zu Gast in der Vierten Welt

Welche Revolution(en) werden wir erlebt haben werden?

 

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Am 10. Dezember wird unser mit|denker Tom Wohlfarth in der Vierten Welt in Berlin das Denkzentrum|Demokratie vorstellen und mit dem Institut für Widerstand im Postfordismus darüber diskutieren, ob und wie Transformationen unserer demokratischen Prozesse als Formen des Widerstands wirksam werden können – und sollen. Kommt zahlreich, wir freuen uns auf eine rege Debatte!

Wirtschaftswissenschaft für Anfänger

Das Buch Time for Change des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis hat einen pädagogischen Ansatz und gute Intentionen. Manches daran bleibt jedoch fraglich

Von Lea Fauth

Die Ökonomie wurde - wie Europa - in Griechenland erfunden. - Bild: BITLAKE/Pixabay (CC)
Die Ökonomie wurde, wie Europa, in Griechenland erfunden. – Bild: BITLAKE/Pixabay (CC)

Erstaunlich genug, wenn man das Buch überhaupt erst in die Hand genommen hat: Mit charmantem Lächeln, lässig die eine Hand in der Hosentasche, glänzt Yanis Varoufakis mit der Sonne im Gesicht auf dem Buchdeckel der deutschen Ausgabe seiner schon etwas älteren Veröffentlichung Time for change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre. Dahinter eine rissige Betonwand. Ein Rapper? Ein Filmstar? Das Buch wirkt wie ein People-Magazin, das im Wirtschaftsressort eigentlich nichts verloren hat.

Ein ziemlich billiges Vorgehen des Hanser Verlags, der die deutsche Übersetzung herausgebracht hat: Die Berühmtheit des ehemaligen griechischen Finanzministers soll nach bester Boulevard-Manier zunutze gemacht werden, um ordentlich auf die Kasse zu schlagen. Über Monate hatte sich das in den deutschen Medien ja auch nur allzu gut verkauft: Der lässige Motorradfahrer mit der Lederjacke, dieses viel zu coole Auftreten standen im Rampenlicht – politische Inhalte verblassten daneben. Und auch hier wird der programmatische und sehr politische Titel „Time for change“ durch die Umschlaggestaltung völlig entfremdet. So wird einmal mehr die Chance verpasst, entgegen dem Medienrummel Yanis Varoufakis als das ernst zu nehmen, was er eigentlich ist – nämlich als Wirtschaftswissenschaftler. „Wirtschaftswissenschaft für Anfänger“ weiterlesen

Veranstaltungshinweise Schwerpunkt Wirtschaft&Demokratie

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, an dieser Stelle kurz der Hinweis auf zwei Diskussionsveranstaltungen, die wir in diesem Sommer im Rahmen unseres Schwerpunkts Wirtschaft&Demokratie durchführen:

am Mittwoch, 10.06.15 um 18 Uhr in Berlin-Wedding

Das demokratische Unternehmen: Schöne neue Arbeitswelt?

Diskussion mit Heiko Glawe (DGB) und Bernd Oestereich (oose Innovative Informatik)

am Donnerstag, 09.07.15 um 16 Uhr in Potsdam

Nachhaltigkeit und Demokratie: Wie passt das zusammen?

Moderierter Diskussionsprozess im Rahmen von studoecUP (Studium Oecologicum an der Universität Potsdam)

Nähere Informationen zu beiden Veranstaltungen können auf der Veranstaltungsseite von denkzentrum|demokratie abgerufen werden.

Nicht für bare Münze

Die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds hat einen guten Grund – und ist trotzdem die falsche Lösung

Von Leopold Wonneberger

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Schon länger fordern namhafte US-Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Larry Summers die Abschaffung des Bargeldes. Nun also auch Peter Bofinger, einer der sogenannten Wirtschaftsweisen, also eine gewichtige Stimme in Deutschland. Aber was ist denn los mit dem Bargeld? Warum kommt diese Diskussion überhaupt hoch?

Die wesentliche Begründung, neben der Bekämpfung der Kriminalität, ist die immer schwierigere Lage der Geldpolitik. Die Zentralbanken stoßen angesichts lahmender Konjunkturen und deflationärer Tendenzen zunehmend an die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten. Das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die Aufblähung der Zentralbankgeldmenge, hat nicht wie erhofft zu verstärkter Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt, sondern lediglich die Finanzmärkte angeheizt. Den Zentralbanken gehen die Instrumente aus. „Nicht für bare Münze“ weiterlesen

Was ist soziale Marktwirtschaft?

Der Artikel erschien zuerst bei Le Bohémien

Zum Start unseres neuen Schwerpunktthemas ‚Wirtschaft&Demokratie‘ veröffentlichen wir an dieser Stelle einen immer noch aktuellen Artikel aus dem Jahr 2012. Ausgehend von einem damals laufenden Essay-Wettbewerb der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ stellt sich der Autor Sebastian Müller die grundsätzliche Frage, was soziale Marktwirtschaft früher einmal bedeutet hat und beschreibt, was sie aus seiner Sicht heute bedeuten müsste.

Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
Bundesarchiv, B 145 Bild-F004204-0003 / Adrian, Doris / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons
Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf eine derzeit laufende Kampagne des neoliberalen Think-Tanks „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die unter dem Deckmantel eines mit 5000 Euro Preisgeld dotierten Essay Wettbewerbes läuft. Dabei geht es um eine Definition des Begriffes „Soziale Marktwirtschaft“. Den Vorsitz der Jury hat kein geringerer als das INSM-Mitglied und der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer.

Angesichts des einschlägigen Hintergrundes der dubiosen Lobbygruppe INSM ist es abzusehen, in welche Richtung dieser Wettbewerb zielen soll und welche Beiträge die besten Aussichten auf die ersten Preise haben werden. Sozusagen als Gegenpamphlet im Rahmen einer symbolischen Teilnahme stellt der Autor der neoliberalen Verklärung und Vereinnahmung der Sozialen Marktwirtschaft seitens des INSM eine eigene, kritische Definition entgegen.

Von Sebastian Müller

Was ist Soziale Marktwirtschaft? Definiert man den Begriff historisch, ist die „Soziale Marktwirtschaft“ in ihrem Ursprung eine Wirtschaftskonzeption der Ökonomen Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard, dem dieser Begriff gemeinhin zugeordnet wird. Der Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“, sprich Wettbewerb innerhalb eines staatlichen Ordnungsrahmens, entwickelte sich zur zentralen Integrationsideologie und zur sozioökonomischen Legitimation der Bundesrepublik der Nachkriegszeit.

Dies gelang, weil diesem ursprünglich ordoliberalen Wirtschaftskonzept keine dogmatische Interpretation und Umsetzung im wirtschaftswissenschaftlichen Sinne zugrunde lag, und weil das Wettbewerbsprinzip dem Ziel „Wohlstand für Alle“ und somit auch sozialer Verantwortung verpflichtet war. Die Erfolgsgeschichte der jungen Bundesrepublik ist somit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale gewesen. Nur so konnte die Soziale Marktwirtschaft ihren Namen überhaupt gerecht werden. „Was ist soziale Marktwirtschaft?“ weiterlesen

Institutionen des Wohlstands

Über die Bedeutung politischer Institutionen und eine Bestandsaufnahme der deutschen Demokratie – ein Aufruf zu mehr politischer Mitwirkung.
von Lino Zeddies

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Occupy Berlin, Foto: Flickr/Corner of a Life

„Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“
– Winston Churchill

Was führt einige Nationen zu Größe und Wohlstand, während andere in Armut und Elend gefangen zu sein scheinen?

Diese bedeutende Frage war Teil meiner Motivation, ein Studium der Volkswirtschaftslehre aufzunehmen und im Verlauf des Gleichen habe ich sie mir oft gestellt. Die häufigsten Antworten, die mir in meinen Vorlesungen begegnet sind, bezogen sich auf die Höhe der Spar- und Investitionsquote und damit einhergehend des Kapitalstocks, auf Unterschiede in der Verfügbarkeit von Ressourcen oder auf die zur Verfügung stehende Technologie. Aber diese Antworten der Ökonomen und auch die Ansätze anderer Denker etwa mit dem Verweis auf Geographie, Kultur oder Religion haben mich nie wirklich befriedigt, da Sie mir nicht auf den Kern der Frage vorzudringen scheinen. Vor Kurzem jedoch stieß ich auf ein neues Erklärungsmodell so simpel wie überzeugend: Der entscheidende Faktor seien Institutionen.

Diese These vertreten Daron Acemoğlu und James Robinson in ihrem brillanten Werk „Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut“. Die beiden Autoren unterscheiden dabei zwischen inklusiven Institutionen (der Allgemeinheit dienend; demokratisch) einerseits und extraktiven Institutionen (ausbeuterisch; zugunsten einer kleinen Elite) andererseits und belegen ihre These mit zahlreichen historischen Beispielen. Demzufolge ist weniger das Talent eines Staatsoberhauptes entscheidend für das Wohlergehen einer Nation, sondern vielmehr, ob beziehungsweise inwieweit das Interesse der herrschenden Eliten überhaupt mit dem Interesse der Allgemeinheit zusammenfällt. Das Problem mit Staatschefs von Entwicklungs- und Schwellenländern ist daher gar nicht unbedingt ein Mangel an politischer und ökonomischer Kompetenz, sondern vielmehr, dass deren Interessen oft gar nicht darauf abzielen, den allgemeinen Wohlstand zu steigern als vielmehr die Stellung der eigenen Gruppe zu sichern und zu stärken. „Institutionen des Wohlstands“ weiterlesen