Bedingungen demokratischer Wirkmacht

Wie können wir lernen, uns politisch mehr zuzutrauen? Dafür braucht es ein breites Zusammenspiel von Bildungseinrichtungen, Zivilgesellschaft und individueller Selbstverpflichtung

Von Regina König

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Früh übt sich! Demokratie und Partizipation können und sollten schon in der Schule gelernt werden


Vor Kurzem
forderte an dieser Stelle Ardalan Ibrahim dazu auf, uns politisch „mehr zuzutrauen als auch mehr abzuverlangen“, da unser aller Beteiligung die „Daseinsbedingung“ der Demokratie darstelle. Als politisch interessierte, aber bisher eher wenig aktiv engagierte Person möchte ich im Folgenden der meines Erachtens nicht trivialen Frage nachgehen, wie wir lernen können, uns politisch „mehr zuzutrauen“. Dazu möchte ich einerseits auf uns als individuell Handelnde schauen und andererseits überlegen, welche sozialen und institutionellen Rahmenbedingungen dafür nötig sind. „Bedingungen demokratischer Wirkmacht“ weiterlesen

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Für eine Demokratie, die antwortet

Die Demokratie befindet sich in Deutschland, wie in vielen Ländern des Westens, in einer schwerwiegenden Akzeptanzkrise. Das hat eine Menge mit schlechter Kommunikation zu tun – aber auch mit Resonanz, wie der Soziologe Hartmut Rosa sagt. Seine Einsichten könnten helfen, diese Krise zu überwinden. Hoffentlich kommen sie nicht zu spät.

Die Demokratie ist in der Krise. Vor wenigen Jahren wäre ich mit einem solchen Satz noch sehr vorsichtig gewesen – denn wir leben in einer geradezu krisenversessenen und untergangsverliebten Zeit, in der jedes noch so kleine Problem zur Krise aufgeblasen wird. Vielleicht weil es in den Ohren einer nach wie vor ziemlich friedlichen und etwas wohlstandssatten Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland  vorfinden, einfach gut klingt, wenn ein Problem nicht nur ein Problem, sondern etwas wirklich Wichtiges und vor allem sehr, sehr Schlimmes ist.

Außerdem kann man bekanntlich Krisen auch herbeireden, und davon sollte man bei etwas so Wichtigem wie der Demokratie lieber absehen, weil wir sie auch in Zukunft noch brauchen werden. Das Dumme ist nur: Auch wenn man in unserem Land – und in durchaus vielen anderen Ländern des Westens – wirklich noch nicht von einer echten Funktionskrise der Demokratie reden kann (weil das politische System eigentlich noch ziemlich reibungslos funktioniert, die politischen Eliten, entgegen vielerlei Behauptungen ganz überwiegend nicht korrupt, die Verwaltung nicht gelähmt und die Justiz funktionsfähig sind und die Wahlen im Großen und Ganzen normal und so wie es sich eben gehört ablaufen), ist es sehr, sehr schwer, noch länger das zu übersehen, was uns in den nächsten Jahren noch weitaus mehr zu schaffen machen dürfte: Eine Akzeptanzkrise der Demokratie. „Für eine Demokratie, die antwortet“ weiterlesen

Nie wieder arbeiten?

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

Die Berliner Theoriekantine diskutierte mit Diedrich Diederichsen über Partizipation als Mitmachphantasma der Postdemokratie und über das Ende der Arbeit

"Partizipation ist das neue Spektakel", Marina Abramović und Publikum bei der Arbeit – Foto: Andrew Russeth/Flickr (CC)
„Partizipation ist das neue Spektakel“: Marina Abramović, ‚The Artist is Present‘                          Foto: Andrew Russeth/Flickr (CC)

Theoriekantine heißt das „offene Diskursformat“, zu dem die PhilosophInnen Maria Muhle, Juliane Rebentisch, Ludger Schwarte und Dirk Setton regelmäßig in die Vierte Welt in Berlin-Kreuzberg einladen. Vergangenen Freitag hatten sie zum Ersatz für Muhle als Gast den legendären Poptheoretiker und Kulturwissenschaftler (sowie Ehemann Rebentischs) Diedrich Diederichsen eingeladen und unter dem Titel „Die Hölle der Partizipation“ einen Ausschnitt seines Buchs Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation von 2008 als Ausgangspunkt für die Diskussion gewählt. „Nie wieder arbeiten?“ weiterlesen

Direkte Demokratie versus partizipative Demokratie?

Am morgigen Freitag (14.11.14) starten auf unserem Blog die Beiträge zum schwerpunktthema14|15 des denkzentrum|demokratie. Dann geht es um die Frage:

Direkte Demokratie vs. partizipative Demokratie?

Zum Beginn der Serie werfen wir zunächst einen Blick ins Ausland, um den Standort der deutschen Debatte besser bestimmen zu können. Zuerst wird Raymundo Saldaña Fuentes vor dem Hintergrund der sogenannten „Energiereform“ in Mexico über den Stellenwert der direkten Demokratie in diesem Land nachdenken. Und in der darauffolgenden Woche erscheint ein Artikel von Andreas Schiel, der sich mit dem routinierten Umgang der Schweizer mit ihren ‚Referenden‘ befasst.

In der Folge erwarten wir kontroverse Beiträge zur Debatte in Deutschland, zu der wir Vertreterinnen unterschiedlichster Positionen einladen. Wir wünschen anregende Lektüre und freuen uns auf Leserkommentare!

Jenseits der Politikverdrossenheit

Jenseits der Politikverdrossenheit: Ganzheitlich zur Demokratie befähigen

Politikverdrossenheit. Das klingt nach Menschen, die nicht zur Wahl gehen, die keiner Partei angehören und sich sagen: „Da kann ich ja sowieso nichts tun!“ Ist jedoch eine Demokratie, in der sich nur wenige zu Wort melden, noch eine Demokratie? Demokratie, das ist doch die gemeinsame Gestaltung des Zusammenlebens, an der sich alle beteiligen, bei der alle mitreden. Leider zeigen neue Umfragen, dass das allgemeine Interesse an Politik abnimmt. Vor allem Menschen mit schwierigen sozialen Bedingungen sehen keine Möglichkeit ihre Interessen zu artikulieren oder gar durchzusetzen. Eine solche ‚Politikverdrossenheit‘ könnte unsere Demokratie langfristig gefährden.Doch wie können wir die Entwicklung einer lebendigeren Demokratie fördern? Bislang setzt Demokratieförderung v.a. auf politische Bildung und die Etablierung von Elementen direkter Demokratie – unterm Strich mit wenig Erfolg. Was also dann? „Jenseits der Politikverdrossenheit“ weiterlesen