Wo ist die (inter)nationale Solidarität?

In einem der reichsten Länder der Welt könnten wir uns internationale Solidarität gut leisten. Dennoch werden sogar die Armen im eigenen Land weiter stigmatisiert

Internationale_Solidarität
Blockupy-Demonstranten in Frankfurt/Main 2013 – Bild: Tim/Flickr (CC BY 2.0)

Wir leben in einem der wohlhabensten Länder der Welt. Die Stimmung der Menschen spiegelt das allerdings nicht ganz so eindeutig wider. Zwar geben in Umfragen die meisten Menschen an, mit ihrer Gesamtsituation eher zufrieden zu sein. Doch soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit halten trotzdem viele für ein Problem. Der darin enthaltene Widerspruch steigert sich schließlich noch einmal, wenn es um die Frage geht, was denn jeder einzelne bereit wäre beizutragen, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen. So gut geht es uns dann doch wieder nicht. „Wo ist die (inter)nationale Solidarität?“ weiterlesen

Advertisements

Die Infantilisierung unserer Gesellschaft

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag

Rauchverbot, Bologna-Reform, Hartz-IV – warum lassen wir uns eigentlich wie Kinder behandeln? Eine Antwort auf Paul Verhaeghes Neoliberalismus-Kritik, und die Frage nach dem guten Leben

Glanz und Elend der Kindheit
Depressives Vergnügen? Glanz und Elend der Kindheit für Erwachsene – Foto: Ryan McGuire/Pixabay

Vor einigen Wochen hat der belgische Psychologe Paul Verhaeghe im Guardian und im Freitag in einem Artikel über den „neoliberalen Charakter“ Richard Sennetts Formulierung von der „Infantilisierung der Angestellten“ aus dessen Buch Respect in a World of Inequality von 2003 wieder aufgenommen. In seinem Klassiker von 1977, The Fall of Public Man, hatte der amerikanische Soziologe Sennett die von Jürgen Habermas entwickelte Theorie vom Strukturwandel der Öffentlichkeit weitergeführt, wonach die in der Moderne erkämpfte und sie prägende „bürgerliche Öffentlichkeit“ in unserer Zeit dabei sei, sich durch ihre vollkommene Herstellung selbst wieder aufzuheben. Sennett sprach damals von den „Tyrraneien der Intimität“, für die der private und der öffentliche Bereich verschmolzen sind. Auf das eigentliche Intimleben bezogen bedeutet das etwa, dass der Sex die Erotik des Rollenspielerischen verliert zugunsten eines Zwangs zu persönlicher Offenbarung, die wiederum Narzissmus begünstigt. Ein Beispiel aus dem ursprünglichen Bereich der Öffentlichkeit wäre die neuere Generation von Talkshows, die keiner sachlichen Diskussion allgemein bedeutsamer Angelegenheiten dienen, sondern allein der Selbstdarstellung der Teilnehmer.

Doch schon für Habermas begann diese Entwicklung in der Sphäre der Erwerbsarbeit als einem Dritten zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Und Verhaeghe resümiert für die Gegenwart: „Die Infantilisierung unserer Gesellschaft“ weiterlesen

Hilft Kiffen gegen Kommunikationsstörung?

Über Gefährdungen der Demokratie

Vor Kurzem hat sich in Berlin der Verein Kommunikative Demokratie e. V. gegründet, der sich für mehr Kommunikation in der Demokratie einsetzt. Wozu aber brauchen wir mehr Kommunikative Demokratie? Wir brauchen mehr Kommunikative Demokratie vor allem deswegen, weil eine nichtkommunikative Demokratie keine Demokratie ist; und weil eine kommunikations- oder anderweitig gestörte Demokratie, wie auch unsere es häufig ist, Gefahr läuft, eine nichtkommunikative zu werden.
cannabis-151920_1280Eine Störung der Demokratie zeigt sich bei uns an vielen Orten. Nehmen wir zum Beispiel die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger, die der Philosoph Arnd Pollmann kürzlich als Verstoß gegen die Menschenwürde für verfassungswidrig erklärt hat. Als verfassungswidrig sogar bestätigt hat bereits 2002 das Bundesverfassungsgericht eine trotzdem immer noch gängige, ja sogar zunehmende Praxis der Verwaltungsbehörden: Cannabis-Konsumenten wird der Führerschein entzogen, auch wenn sie weder berauscht noch selbst am Steuer sitzen. Die Logik dahinter scheint zu sein: Wer schon nicht selber fährt, braucht ja wohl auch keinen Führerschein. Dazu der ‚Führerschein-Papst‘ Theo Pütz: „Würde diese Logik auch auf den Alkohol angewandt – die Autobahnen wären immer frei!“

Doch nicht nur auf den Autobahnen herrscht Streit. „Hilft Kiffen gegen Kommunikationsstörung?“ weiterlesen