Den Finanzmarkt links überholen

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

Akzelerationismus – Das neue Buch Making of Finance zeigt die Finanzmärkte aus der Innensicht und lässt überzeugte Kapitalisten zu Linken werden. Diese Woche wird es in Berlin vorgestellt

Links überholen - entspricht bei uns der StVO - Foto: jonbonsilver/Pixabay
Links überholen – entspricht bei uns der StVO – Foto: jonbonsilver/Pixabay

Eine der angesagtesten Richtungen der politischen Philosophie der Gegenwart ist dies trotz, oder vielleicht gerade wegen ihres äußerst sperrigen Namens, Akzelerationismus. Wer Latein kann, weiß: Es geht um „Beschleunigung“. Die Akzelerationisten suchen ihr Heil gegen den Turbokapitalismus nicht in der allseits gepriesenen Entschleunigung, sie wollen den Kapitalismus links überholen und ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen. Dazu muss man aber erst einmal tief in seine Funktionsweisen eintauchen. Am tiefsten – und mit der höchsten Beschleunigung – geht das am Finanzmarkt, dort denkt man in Mikrosekunden (wer es sich vorstellen mag: 0,000001 Sekunden).

Ganz folgerichtig also, dass beim offiziellen Publikationsorgan des deutschsprachigen Akzelerationismus, dem Berliner Merve Verlag jetzt ein Blick hinter die Kulissen der Finanzmärkte geworfen wird: „Den Finanzmarkt links überholen“ weiterlesen

Geld ist unsere Religion

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Und am Geld klebt Blut. Christoph Türcke erklärt den sakralen Ursprung des Geldes aus dem Opferkultus und zieht Parallelen bis in die Gegenwart. Eine demokratiegeschichtliche Lektüre

In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr
In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr

Was ist Geld? Für diese Frage braucht die Ökonomie anscheinend von Zeit zu Zeit Philosophen. Nun hat Christoph Türcke sich an einer Antwort versucht. Dabei hat er mit Mehr! vielleicht nicht wirklich eine Philosophie des Geldes vorgelegt, wie der Untertitel es vorgibt, sondern eher eine psychologisch-philosophische Kultur- und Sozialgeschichte des Geldes. Ein grandioses Buch ist es allemal geworden. Wie schon für David Graeber entsteht auch für Türcke Geld nicht aus dem Tausch, sondern aus Schulden. Nur verfolgt er diese nun noch weiter zurück, und zwar zu den ersten menschlichen Opferhandlungen. Seine These: Geld ist Schuld, die im Opfervorgang entsteht. Es entstammt also dem sakralen Bereich. Dies wird zunächst etymologisch hergeleitet: Das Wort „Geld“ habe nichts mit „Gold“ zu tun, sondern stamme vom angelsächsischen gilt, das im Englischen guilt ja auch heute noch Schuld bedeutet. Dass diese Schuld aber eine ursprünglich sakrale ist, versucht Türcke sodann im Rückgang in die Altsteinzeit sozusagen spekulativ zu belegen.

Die ersten Opferhandlungen erklärt er „Geld ist unsere Religion“ weiterlesen