Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie

Axel Honneth entwirft in seiner Aktualisierung des Sozialismus ein Konzept kommunikativer Demokratie, das eine internationale NGO umsetzen soll. Eine steht schon bereit

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

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Grenzenlose Kommunikation? Bewegung und Kommunikation im Netzwerk Twitter – Bild: Eric Fischer/ Flickr(CC), https://flic.kr/p/b7ntgR

Mehr als 25 Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks und damit des sogenannten realexistierenden Sozialismus zumindest in Europa muss man sich in der Tat fragen, warum zugleich mit diesem gescheiterten Projekt auch beinah die gesamte ideelle Stoßkraft des Sozialismus überhaupt verschwunden ist. Die totalitären sozialistischen Systeme scheinen die ihnen zugrunde liegende Vision dermaßen diskreditiert zu haben, dass ein ernsthaftes Wiederanschließen an diese Vision heute geradezu unmöglich geworden ist. Dem Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth reicht diese Erklärung in seinem Buch Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung allerdings keineswegs aus. Er attestiert unserer Gegenwart vielmehr eine grundsätzliche Utopielosigkeit, ja eine Fetischisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, die trotz weiter wachsender Empörung über skandalöse soziale Ungleichheiten eine radikale Veränderbarkeit dieser Verhältnisse für schlichtweg unmöglich hält. Die vielbeschworene Politik, oder besser Ideologie der Alternativlosigkeit hat hier ganze Arbeit geleistet.

Dennoch gibt es für Honneth auch dem Sozialismus selbst inherente Gründe, die seinen utopischen Kern heute noch zusätzlich anschlussunfähig gemacht haben. „Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie“ weiterlesen

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Vom Ende des Kapitalismus zum Postkapitalismus

Neue Bücher von Slavoj Žižek und Paul Mason ergründen Ende und Neuanfang unserer gesellschaftlichen Ordnung – und stellen die Frage, wie überhaupt Veränderung möglich ist

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag und bei Le Bohémien

Total vernetzt?
Total vernetzt? – Bild: yumikrum/Flickr (CC)

Angesichts der globalen Dauerkrisen der neoliberalen Wirtschaftsordnung spätestens seit 2007/08 stellt sich zunehmend wieder die zugegeben recht alte Frage, ob es ausreicht, das kapitalistische System nur zu reparieren – wenn auch anders als es durch sogenannte „Strukturreformen“ angeblich allenthalben versucht wird –, oder ob eine radikalere Lösung, sprich ein anderes, besseres System notwendig ist. Kurz: Reform oder Revolution? Einer, der schon immer für die zweite Variante plädiert hat, ist der slowenische Philosoph Slavoj Žižek. Auch sein Buch Trouble in Paradise. From the End of History to the End of Capitalism, das Ende Oktober auf Deutsch erscheint, nimmt die Perspektive einer radikalen Emanzipation vom Kapitalismus ein. Dabei aber liefert es zunächst einmal konzise, widerspruchsgesättigte Analysen der gegenwärtigen Lage, und zwar mithilfe des für Žižek bekannten Instrumentariums: Hegel, Marx, Nietzsche, Lacan, eine gute Ladung Popkultur und jede Menge politisch inkorrekte „dialektische“ Witze. „Vom Ende des Kapitalismus zum Postkapitalismus“ weiterlesen

Theorie als Praxis des Partygesprächs

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

Philipp Felsch erzählt furios, wie Theorie-Debatten um ’68 als revolutionäres Handeln galten und in den 80ern im Kneipengerede endeten. Gibt es bald eine Fortsetzung?

Das ganz normale Wunder des Miteinander-Redens - Bild: Andi_Graf/Pixabay(CC)
Das ganz normale Wunder des Miteinander-Redens – Bild: Andi_Graf/Pixabay(CC)

Es ist ja schon sehr viel über Philipp Felschs grandioses Buch Der lange Sommer der Theorie gesagt worden, zumeist Positives, bisweilen Begeistertes. Felsch zeichnet darin die Geschichte des philosophisch-literarischen Genres Theorie vor allem anhand der Entwicklung seines wohl profiliertesten Exponenten, des Berliner Merve Verlags und seiner Verleger nach. Ihm ist damit ein furioses Zeitportrait der 1960er bis ’80er Jahre gelungen. Einer der wenigen, dafür mehrfach von Rezensenten geäußerten Kritikpunkte ist interessanterweise Felschs eigener Verzicht auf Theorie sowie auf Historisierung. Das ist als Vorwurf an den distanziert betrachten wollenden Historiker zwar vielleicht etwas verwunderlich. Angesichts der letztlich doch auch melancholisch stimmenden Erzählung einer fortlaufenden Reihe immer neuer theoretischer Relativierungen ist es allerdings auch verständlich. „Theorie als Praxis des Partygesprächs“ weiterlesen

Geld ist unsere Religion

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag

Und am Geld klebt Blut. Christoph Türcke erklärt den sakralen Ursprung des Geldes aus dem Opferkultus und zieht Parallelen bis in die Gegenwart. Eine demokratiegeschichtliche Lektüre

In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr
In god we trust? Detail einer FED-Note (1 US-Dollar) – Foto: Mark Turnauckas/Flickr

Was ist Geld? Für diese Frage braucht die Ökonomie anscheinend von Zeit zu Zeit Philosophen. Nun hat Christoph Türcke sich an einer Antwort versucht. Dabei hat er mit Mehr! vielleicht nicht wirklich eine Philosophie des Geldes vorgelegt, wie der Untertitel es vorgibt, sondern eher eine psychologisch-philosophische Kultur- und Sozialgeschichte des Geldes. Ein grandioses Buch ist es allemal geworden. Wie schon für David Graeber entsteht auch für Türcke Geld nicht aus dem Tausch, sondern aus Schulden. Nur verfolgt er diese nun noch weiter zurück, und zwar zu den ersten menschlichen Opferhandlungen. Seine These: Geld ist Schuld, die im Opfervorgang entsteht. Es entstammt also dem sakralen Bereich. Dies wird zunächst etymologisch hergeleitet: Das Wort „Geld“ habe nichts mit „Gold“ zu tun, sondern stamme vom angelsächsischen gilt, das im Englischen guilt ja auch heute noch Schuld bedeutet. Dass diese Schuld aber eine ursprünglich sakrale ist, versucht Türcke sodann im Rückgang in die Altsteinzeit sozusagen spekulativ zu belegen.

Die ersten Opferhandlungen erklärt er „Geld ist unsere Religion“ weiterlesen