Jenseits von rechts und links

Unsere Gesellschaft wird nach wie vor bestimmt vom politischen Entweder-Oder. Dabei widerspricht das den Grundprinzipien demokratischer Institutionen – aber auch dem Wesen des Menschen. Was wir brauchen, ist eine realistische politische Anthropologie

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Müssen rechts und links einander immer bekämpfen? – Bild: mwewering/Pixabay (CC0)

Es scheint für uns sehr schwer zu sein zu begreifen, dass in uns von Anfang bis Ende BEIDES angelegt ist: die Fähigkeit zur Kooperation und Empathie. UND die Fähigkeit zu Kampf und Krieg. Wir neigen gegenüber dem, was man eigentlich „menschlichen Realismus“ nennen müsste, zu einer bemerkenswert armen Anthropologie: Einem Selbstverständnis, das immer nur einseitig ist und einseitig bleibt. Entweder blenden wir unsere Kampfanlage aus, oder wir blenden unsere Empathieanlage aus. Dass beide Schaltkreise in uns angelegt sind, scheint nicht in unseren Kopf hineinzupassen – Und fließt daher auch nicht in die Gestaltung unserer Institutionen ein. „Jenseits von rechts und links“ weiterlesen

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Dafür oder dagegen? – Von wegen!

Wie politische Kultur und Demokratie in Deutschland von der Generation Y profitieren könnten

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Erbitterter Streit: Führt auch in der Politik nicht immer zu produktiven und befriedigenden Ergebnissen

„Sie denken, ich bin die Assistentin und gebe Ihnen das Mikro“, sagt die junge Frau mit einer etwas mädchenhaft klingenden Stimme, aber doch mit einem gewissen, ironisch zur Geltung gebrachten Selbstbewusstsein zu dem Weißhaarigen, der davon überzeugt ist, an diesem Freitagvormittag im ‚World Congress Center Bonn‘ (besser bekannt als der alte, neue Plenarsaal des Bundestages) ganz vorn auf der Redeliste zu stehen. Und dann, plötzlich, nach einer kurzen Denkpause sagt die junge Frau: „Ich gebe Ihnen das Mikro.“ Und gibt tatsächlich dem älteren Herrn mit einer Haartracht, die entfernt an eine Löwenmähne erinnert, das Mikrofon. Und das ihr bereits zugestandene Rederecht einfach ab.

Damit illustriert sie nicht nur die Hartnäckigkeit von Geschlechterrollen. Sie bestätigt auch das, was soeben der Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU auf diesem Kongress der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Demographie und Demokratie in seinem gewohnt schneidigen Tonfall vorgetragen hat: Die junge Generation müsse erst einmal, so der Minister, den Mut zu Konflikt und politischer Konfrontation finden. Denn andernfalls werde sie nicht in der Lage sein, ihre Interessen gegen die sich bereits jetzt in der Überzahl befindenden Kohorten der Älteren und Alten durchzusetzen.

Aber immerhin dieses Mal gibt das Publikum im Bonner Wasserwerk (das zu einem großen Teil eben jener demographischen Mehrheit der Älteren angehört) dem Minister Unrecht. Durch ermutigenden Beifall und entschlossene Aufforderungen an den löwenmähnigen Usurpator der Diskurshoheit gelangt das Mikrofon zurück zu der jungen Frau. Was sie dann aber sagt, offenbart in der Tat einen Graben zwischen den Generationen. „Dafür oder dagegen? – Von wegen!“ weiterlesen