Klassenkampf statt Klimakrieg

In der Klimadebatte werden häufig apokalyptische Szenarien bemüht, um den Ernst der Lage zu betonen. Das birgt aber die Gefahr, dem Klimaschutz die soziale Gerechtigkeit zu opfern

Fridays for Future
Raus aus dem Klassenzimmer – rein in den Klassenkampf? – Bild: FridaysForFuture Deutschland/Flickr (CC BY 2.0)

Der Klimawandel ist sicher eine der gewaltigsten Herausforderungen, denen die Menschheit sich je gegenüber gesehen hat. Und er hat längst begonnen. Die Menschheit weiß das seit Jahrzehnten – und hat dennoch bisher kaum etwas dagegen unternommen. Was die Lage natürlich nicht besser macht. Um deren Ernst zu unterstreichen, werden daher zunehmend Beschreibungen und Szenarien bemüht, die die Dramatik der Situation veranschaulichen sollen. Von der Klimakatastrophe ist dann die Rede oder gar einer Apokalypse. Oder auch von einem Klimakrieg. Diese Terminologie eignet sich dann hervorragend, um zur Bewältigung dieser Krise den Ausnahmezustand auszurufen und etwa eine extrem steuernde Kriegswirtschaft zu fordern, die vom Urlaubsflug bis zur täglichen Mahlzeit jeglichen Konsum reguliert und rationiert.

Es stellt sich bei diesen militärisch-apokalyptischen Begrifflichkeiten allerdings die Frage, was durch sie wirklich gewonnen wird? „Klassenkampf statt Klimakrieg“ weiterlesen

Jenseits von rechts und links

Unsere Gesellschaft wird nach wie vor bestimmt vom politischen Entweder-Oder. Dabei widerspricht das den Grundprinzipien demokratischer Institutionen – aber auch dem Wesen des Menschen. Was wir brauchen, ist eine realistische politische Anthropologie

colt-629670_1920
Müssen rechts und links einander immer bekämpfen? – Bild: mwewering/Pixabay (CC0)

Es scheint für uns sehr schwer zu sein zu begreifen, dass in uns von Anfang bis Ende BEIDES angelegt ist: die Fähigkeit zur Kooperation und Empathie. UND die Fähigkeit zu Kampf und Krieg. Wir neigen gegenüber dem, was man eigentlich „menschlichen Realismus“ nennen müsste, zu einer bemerkenswert armen Anthropologie: Einem Selbstverständnis, das immer nur einseitig ist und einseitig bleibt. Entweder blenden wir unsere Kampfanlage aus, oder wir blenden unsere Empathieanlage aus. Dass beide Schaltkreise in uns angelegt sind, scheint nicht in unseren Kopf hineinzupassen – Und fließt daher auch nicht in die Gestaltung unserer Institutionen ein. „Jenseits von rechts und links“ weiterlesen

Begegnung mit uns selbst

Nach dem Gedenkjahr II: Nicht alles am Erbe von 1968 ist bewahrenswert. Doch in einigem war ’68 erst der Anfang – dem aktuellen autoritären Backlash zum Trotz

Love-not-war
„Make love, not war!“ Die Sensibilität gegenüber Krieg und Gewalt hat mit 1968 stark zugenommen – Bild: Mark Deckers/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Wo in der Menschheitsgeschichte treiben wir uns gerade so rum? In welcher “Epoche” befinden wir uns derzeit? – Ich würde ja sagen: Wir sind mitten in einer Entwicklung. Oder vielleicht genauer: Eher noch an ihrem Anfang. Rückblickend gesehen, mit historischem Abstand tut man sich mit dem Einordnen und Kategorisieren immer sehr viel einfacher. Mit historischem Abstand wird man wahrscheinlich sagen: “2019? Das ist doch keine Frage! Also Frühe Neuzeit war das eindeutig noch nicht. 2019, das war ganz klar Spätmittelalter!”

So wie ein neues menschliches Wesen nur selten nach der ersten Wehe auf diese Erde purzelt, wird auch ein neues Zeitalter nicht gleich im ersten Anlauf geboren. „Begegnung mit uns selbst“ weiterlesen