Die Angst vor der Freiheit

Wenn sich Organisationen wandeln, indem traditionelle Hierarchien aufgelöst werden, ist Angst eine der größten Blockaden. Wir wollen sie bei einer (Un-)Konferenz mit lösen helfen

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Unser mit|denker Andreas Schiel wird auf der (Un-)Konferenz „Neue Konzepte für neue Arbeit – Die Angst vor der Freiheit“ am 15. Juni in Berlin einen Workshop leiten unter dem Titel „Netzwerke des Vertrauens. Organisationen und Gesellschaft transformieren“. Die Tagung verbindet mit ihrem Thema die drei Blickwinkel von Wirtschaft, Politik und Kunst. Dazu wird es jeweils eine Keynote geben: von Jessica Wigant, Jason Brennan und Shelley Sacks. Das denkzentrum|demokratie unterstützt die (Un-)Konferenz als Partner.

Tickets gibt es auf https://priomy.events/

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Jenseits von Gegenwart

Die kapitalistische Gegenwart wird zunehmend von einer automatisierten Zukunft bestimmt und geschluckt. Da helfen nur Spekulation und Grammatik, meint ein neuer Textband

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Zeitkomplex
Im Zeitkomplex verschmelzen Vergangenheit und Zukunft ohne Gegenwart

Man hätte eigentlich glauben sollen, dass spätestens mit dem Ende des ‚Endes der Geschichte‘ und seiner Spielart der (Post-)Postmoderne auch die Rede von ‚Post-dieses‘, ‚Post-jenes‘, ‚Post-alles‘ aufhören, oder zumindest etwas abebben würde. Die Karriere der Postdemokratie und aktuell des Postkapitalismus lassen allerdings eher etwas anderes vermuten. Das Problem an einer solchen negativen, nur in einer Abgrenzung bestehenden Begriffsbildung ist ja, dass sie (noch) nicht sagt, was sie will, sondern erst einmal nur, was sie nicht will. Als Zwischenschritt mag das ja in Ordnung, manchmal gar notwendig sein, – solange man nicht dabei stehen bleibt.

Insofern gibt ein neuer Textband, den die Philosophen Armen Avanessian und Suhail Malik gerade bei Merve herausgegeben haben, ein ganz ordentliches Vorbild ab. „Jenseits von Gegenwart“ weiterlesen

Die Möglichkeit der Rechte

Der Jurist Christoph Möllers erklärt Philosophen den Begriff der Normen, der Philosoph Christoph Menke schreibt eine Kritik der Rechte. In Berlin haben sie sich getroffen

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Ermöglichung und Begrenzung. Die Skulptur „Universal Links on Human Rights“ von Tony O’Malley in Dublin – Foto: William Murphy/Flickr(CC), bit.ly/1ZORjVs

Die Sphäre des Normativen darf man wohl als eines der wesentlichen Merkmale des Menschlichen betrachten. Die übrige Natur folgt zwar Gesetzen, diese sind aber gewissermaßen nicht ‚gesetzt‘, sondern gegeben, und als solche ganz anderer Art als menschliche Gesetze und gesetztes Recht. Diese beruhen auf Normen, und die wiederum folgen, so meint jedenfalls Christoph Möllers, einem „Möglichkeitssinn“, einer Perspektive auf das, was eben nicht gegeben ist, oder was nicht so, wie es gegeben ist, sondern anders sein sollte. Der Berliner Jurist und Rechtsphilosoph sowie neuerdings Leibnizpreisträger hat im Herbst sein „Opus magnum“ (FAZ) über Die Möglichkeit der Normen vorgelegt, in dem er allerdings selbst einen nichtnormativen Ansatz verfolgt. Er fragt nicht – wie Moralphilosophen häufig –, wie der Inhalt oder die Wirkung von bestimmten Normen sein sollten, sondern zunächst einmal was eine Norm überhaupt ist: nämlich, so seine These, eine Weise, in der Welt zu ihr Distanz zu gewinnen und alternative Perspektiven aufzuzeigen. Mit seiner Begriffsarbeit will der Jurist Möllers „den Philosophen wie den Soziologen in die Suppe spucken“ (SZ), herausgekommen ist eine Art empirische Phänomenologie der Normen.

Ein spezieller, wohl exemplarischer Bereich der Normativität ist das Recht, Möllers‘ eigenes Metier. Ihm hat nun seinerseits der Frankfurter Philosoph Christoph Menke eine Kritik der Rechte gewidmet. Er geht darin aus „Die Möglichkeit der Rechte“ weiterlesen

Die Ästhetisierung der Gesellschaft

Unsere Gesellschaft unterliegt einem Regime der Ästhetisierung, dennoch werden Kunst und Ästhetik in der Soziologie häufig vernachlässigt. Ein Textband schafft Abhilfe

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Kreativitätsdispositiv - Bild: mark sebastian/ Flickr, https://www.flickr.com/photos/markjsebastian/350164368/
Kreativitätsdispositiv – Bild: mark sebastian/Flickr

Eines der Hauptmerkmale der modernen kapitalistischen Gesellschaften ist ihre zunehmende Ästhetisierung. Seit Beginn der Postmoderne durchdringt das ästhetische Regime eines Kreativitätsimperativs sogar fast alle gesellschaftlichen Bereiche von Kunst über Wirtschaft bis Politik. Umso erstaunlicher ist es, dass die klassische Soziologie den Bereich des Ästhetischen weitgehend ausgeblendet hat. Einer, der sich seit einigen Jahren intensiv mit diesem Komplex auseinander setzt, ist der Kultursoziologe Andreas Reckwitz. In seinem Buch von 2012, Die Erfindung der Kreativität, hat er die Geschichte der modernen Ästhetisierung der Gesellschaft umfassend dargestellt. Zusammen mit seinen Mitarbeitern an der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder hat er nun einen Band Ästhetik und Gesellschaft herausgegeben, der grundlegende Texte aus jenen Bereichen der Sozial- und Kulturwissenschaften versammelt, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts der vorherrschenden Marginalisierung der Ästhetik in der Soziologie trotzen. Das beginnt bei Georg Simmel und Werner Sombart und reicht über Susan Sontag oder Pierre Bourdieu bis zu Boris Groys oder Michael Hardt. „Die Ästhetisierung der Gesellschaft“ weiterlesen

Der Legostein des Widerstands

Beim Berliner Literaturfestival diskutierten Philosophen und Literaturwissenschaftler über Ästhetik und Widerstand, Schwanensee und den Lego Movie

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Ästhetik des Widerstands nach Peter Weiss. Detail des Berliner Pergamonfrieses - Foto: Ealdgyth/Wikimedia
Ästhetik des Widerstands nach Peter Weiss. Detail des Berliner Pergamonfrieses  Foto:Ealdgyth/Wikimedia

Vor einer Weile habe ich anlässlich meiner Rezension zu Philipp Felschs Buch Der lange Sommer der Theorie über den Berliner Merve Verlag auf eine äußerst vielversprechende Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) hingewiesen. Diese Veranstaltung fand dann leider nicht wie damals angekündigt statt: als gemeinsame Exploration Felschs mit den heutigen Merve-Verlegern über die Zukunft der Theorie. Stattdessen gab es eine herkömmliche Buchvorstellung im Gespräch mit dem Zeitzeugen Michael Rutschky (der das Buch für die Zeit auch schon rezensiert hatte). Allerdings war diese Präsentation eingegliedert in eine Reihe „Ästhetiken des Widerstands“, die ihren Abschluss in einer prominent besetzten größeren Podiumsdiskussion zu diesem Titel fand, unter Beteiligung des Merve-Chefredakteurs und von Philipp Felsch moderiert. Die Anspielung auf den Titel des berühmten Romans von Peter Weiss aus den 70er Jahren kommt übrigens nicht von ungefähr: Aber wer weiß eigentlich, dass der Träger des ilb die Peter-Weiss-Stiftung ist?

Die erste Veranstaltung der Reihe „Der Legostein des Widerstands“ weiterlesen

Nie wieder arbeiten?

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Die Berliner Theoriekantine diskutierte mit Diedrich Diederichsen über Partizipation als Mitmachphantasma der Postdemokratie und über das Ende der Arbeit

"Partizipation ist das neue Spektakel", Marina Abramović und Publikum bei der Arbeit – Foto: Andrew Russeth/Flickr (CC)
„Partizipation ist das neue Spektakel“: Marina Abramović, ‚The Artist is Present‘                          Foto: Andrew Russeth/Flickr (CC)

Theoriekantine heißt das „offene Diskursformat“, zu dem die PhilosophInnen Maria Muhle, Juliane Rebentisch, Ludger Schwarte und Dirk Setton regelmäßig in die Vierte Welt in Berlin-Kreuzberg einladen. Vergangenen Freitag hatten sie zum Ersatz für Muhle als Gast den legendären Poptheoretiker und Kulturwissenschaftler (sowie Ehemann Rebentischs) Diedrich Diederichsen eingeladen und unter dem Titel „Die Hölle der Partizipation“ einen Ausschnitt seines Buchs Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation von 2008 als Ausgangspunkt für die Diskussion gewählt. „Nie wieder arbeiten?“ weiterlesen