Der Legostein des Widerstands

Beim Berliner Literaturfestival diskutierten Philosophen und Literaturwissenschaftler über Ästhetik und Widerstand, Schwanensee und den Lego Movie

Dieser Artikel erschien zuerst beim Freitag

Ästhetik des Widerstands nach Peter Weiss. Detail des Berliner Pergamonfrieses - Foto: Ealdgyth/Wikimedia
Ästhetik des Widerstands nach Peter Weiss. Detail des Berliner Pergamonfrieses  Foto:Ealdgyth/Wikimedia

Vor einer Weile habe ich anlässlich meiner Rezension zu Philipp Felschs Buch Der lange Sommer der Theorie über den Berliner Merve Verlag auf eine äußerst vielversprechende Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) hingewiesen. Diese Veranstaltung fand dann leider nicht wie damals angekündigt statt: als gemeinsame Exploration Felschs mit den heutigen Merve-Verlegern über die Zukunft der Theorie. Stattdessen gab es eine herkömmliche Buchvorstellung im Gespräch mit dem Zeitzeugen Michael Rutschky (der das Buch für die Zeit auch schon rezensiert hatte). Allerdings war diese Präsentation eingegliedert in eine Reihe „Ästhetiken des Widerstands“, die ihren Abschluss in einer prominent besetzten größeren Podiumsdiskussion zu diesem Titel fand, unter Beteiligung des Merve-Chefredakteurs und von Philipp Felsch moderiert. Die Anspielung auf den Titel des berühmten Romans von Peter Weiss aus den 70er Jahren kommt übrigens nicht von ungefähr: Aber wer weiß eigentlich, dass der Träger des ilb die Peter-Weiss-Stiftung ist?

Die erste Veranstaltung der Reihe „Der Legostein des Widerstands“ weiterlesen

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Theorie als Praxis des Partygesprächs

Dieser Artikel erscheint auch beim Freitag

Philipp Felsch erzählt furios, wie Theorie-Debatten um ’68 als revolutionäres Handeln galten und in den 80ern im Kneipengerede endeten. Gibt es bald eine Fortsetzung?

Das ganz normale Wunder des Miteinander-Redens - Bild: Andi_Graf/Pixabay(CC)
Das ganz normale Wunder des Miteinander-Redens – Bild: Andi_Graf/Pixabay(CC)

Es ist ja schon sehr viel über Philipp Felschs grandioses Buch Der lange Sommer der Theorie gesagt worden, zumeist Positives, bisweilen Begeistertes. Felsch zeichnet darin die Geschichte des philosophisch-literarischen Genres Theorie vor allem anhand der Entwicklung seines wohl profiliertesten Exponenten, des Berliner Merve Verlags und seiner Verleger nach. Ihm ist damit ein furioses Zeitportrait der 1960er bis ’80er Jahre gelungen. Einer der wenigen, dafür mehrfach von Rezensenten geäußerten Kritikpunkte ist interessanterweise Felschs eigener Verzicht auf Theorie sowie auf Historisierung. Das ist als Vorwurf an den distanziert betrachten wollenden Historiker zwar vielleicht etwas verwunderlich. Angesichts der letztlich doch auch melancholisch stimmenden Erzählung einer fortlaufenden Reihe immer neuer theoretischer Relativierungen ist es allerdings auch verständlich. „Theorie als Praxis des Partygesprächs“ weiterlesen