Emotionen erlaubt

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Vorschläge zum Umgang mit der AfD und ihren Anhängern. Ein Plädoyer für eine gefühlssensible Kultur demokratischer Kommunikation

Von Tom Wohlfarth und Andreas Schiel

Emotionen_erlaubt
Pegida-Demonstration in Amsterdam – Foto: Guido van Nispen/ Flickr (CC BY 2.0)

Dieser Text zweier unserer mit|denker erschien am vergangenen Samstag beim Katapult Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft, dann in aktualisierter Fassung am gestrigen Dienstag als Publikation des denkzentrum|demokratie sowie beim Freitag, wo er derzeit auch noch diskutiert wird. Eine weitere Diskussion findet sich auf Facebook, Benedikt Strohstädter etwa schreibt dort: „Sehr nüchtern, neutral und klar. So muss geschrieben werden damit die ganze Scheisse uns hier nicht um die Ohren fliegt. Kompliment!“

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Ist Angela Merkel Avantgarde?

angela-merkel-60603_1280Warum unsere Demokratie in Zukunft mehr Kommunikation wagen muss und was die Regierungsweise der Bundeskanzlerin damit zu tun hat

Kürzlich meldete SPIEGEL ONLINE, die Bundeskanzlerin greife auf Meinungsumfragen zurück, um Bürgerwünsche teilweise wortgleich in ihre Regierungserklärungen zu übernehmen. Das verwundert eigentlich nicht, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um dieselbe Angela Merkel handelt, die z.B. in Fragen der Familienpolitik oder der Atomenergie schon einmal lange gepflegte Positionen der von ihr geführten CDU aufgibt, wenn sie den Eindruck hat, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine andere Ansicht vertritt. Ganz gleich, was man von der Kanzlerin und ihrer Regierungsweise halten mag – ihr vorzuwerfen, sie ignoriere die Wünsche der Bevölkerung, ist ein Vorwurf, der ins Leere zielt.

Ist Angela Merkel also eine Vorreiterin einer neuen Art von Politik, gar einer neuen Form der Demokratie? Das haben schon manche so gedeutet. Aber ist es wirklich wegweisend und gar noch besonders demokratisch, die eigene Politik von Meinungsumfragen abhängig zu machen? „Ist Angela Merkel Avantgarde?“ weiterlesen

Hilft Kiffen gegen Kommunikationsstörung?

Über Gefährdungen der Demokratie

Vor Kurzem hat sich in Berlin der Verein Kommunikative Demokratie e. V. gegründet, der sich für mehr Kommunikation in der Demokratie einsetzt. Wozu aber brauchen wir mehr Kommunikative Demokratie? Wir brauchen mehr Kommunikative Demokratie vor allem deswegen, weil eine nichtkommunikative Demokratie keine Demokratie ist; und weil eine kommunikations- oder anderweitig gestörte Demokratie, wie auch unsere es häufig ist, Gefahr läuft, eine nichtkommunikative zu werden.
cannabis-151920_1280Eine Störung der Demokratie zeigt sich bei uns an vielen Orten. Nehmen wir zum Beispiel die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger, die der Philosoph Arnd Pollmann kürzlich als Verstoß gegen die Menschenwürde für verfassungswidrig erklärt hat. Als verfassungswidrig sogar bestätigt hat bereits 2002 das Bundesverfassungsgericht eine trotzdem immer noch gängige, ja sogar zunehmende Praxis der Verwaltungsbehörden: Cannabis-Konsumenten wird der Führerschein entzogen, auch wenn sie weder berauscht noch selbst am Steuer sitzen. Die Logik dahinter scheint zu sein: Wer schon nicht selber fährt, braucht ja wohl auch keinen Führerschein. Dazu der ‚Führerschein-Papst‘ Theo Pütz: „Würde diese Logik auch auf den Alkohol angewandt – die Autobahnen wären immer frei!“

Doch nicht nur auf den Autobahnen herrscht Streit. „Hilft Kiffen gegen Kommunikationsstörung?“ weiterlesen